„Was
aber, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Leiden? Geburt ist Leiden,
Krankheit ist Leiden, Sterben ist Leiden, Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung
sind Leiden; das Nicht-Erlangen dessen, was man begehrt, ist Leiden.“ Alles ist
Leiden - an dieser Einsicht hat sich auch zweieinhalb Jahrtausende nach Buddha
wenig geändert. Vielleicht ist das ein Grund dafür, daß der Buddhismus im
ideenlos gewordenen Westen immer attraktiver wird.
Inmitten der aktuellen Flut esoterischer und
pseudomystischer Bücher über fernöstliche Religionen droht ein Bändchen von
Reclam unbeachtet unterzugehen. Michael Carrithers hat eine spannende
Einführung in das Leben des Buddha, des „vermutlich einflußreichsten Denkers in
der Menschheitsgeschichte“, geschrieben. Fern aller New-Age-Spiritualität
verfolgt er den Weg des Siddharta Gautama von den frühen Jahren der Entsagung
bis hin zur Erleuchtung und der letztlichen Einkehr ins Nirwana und macht den
Leser dabei Schritt für Schritt mit den Grundaussagen des Buddhismus vertraut.
Durch die zahlreichen Bezüge auf das soziale Umfeld (Aufkommen der ersten
großen Städte) und den Vergleich mit den zeitgleichen anderen spirituellen
Bewegungen, wie die des Brahmanismus und des Yogas, entsteht allmählich das
konturenreiche Relief einer untergegangenen Epoche.
Abgerundet wird der Band durch den Essay Günther Debons, der den „Weg des Buddhismus nach Ostasien“ verfolgt. Schon wenige Jahrzehnte nach Buddhas Tod hatte sich sein Glauben in den Nachbarländern verbreitet. Ähnlich wie das Christentum, blickt auch der Buddhismus auf eine turbulente Geschichte voller Reformversuche und Abspaltungen zurück, die schließlich zu zahlreichen Richtungen und Schulen, wie etwa den Zen-Buddhismus in Japan oder den Lamaismus in Tibet, führten.
n Carrithers, Michael: Der Buddha. Eine Einführung.
Stuttgart: Reclam 1996. 176 Seiten. 8 Mark.